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Verfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen

In der Fassung vom 9. Dezember 1975

(ABl. EKD 1977 S. 107)
Stand: August 1992

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I.
Basis

Der Ökumenische Rat der Kirchen ist eine Gemeinschaft von Kirchen, die den Herrn Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift als Gott und Heiland bekennen und darum gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen sind, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
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II.
Mitgliedschaft

1 In den Ökumenischen Rat der Kirchen können alle diejenigen Kirchen aufgenommen werden, die ihre Zustimmung zu der Basis erklären, auf welcher der Ökumenische Rat gegründet ist, und die Voraussetzungen erfüllen, die von der Vollversammlung oder dem Zentralausschuss festgelegt werden. 2 Die Wahl zum Mitglied muss mit Zweidrittelmehrheit der bei der Vollversammlung vertretenen Mitgliedskirchen erfolgen, wobei jede Kirche über eine Stimme verfügt. 3 Zwischen den Tagungen der Vollversammlung eingehende Aufnahmeanträge können durch den Zentralausschuss behandelt werden. 4 Wenn ein solcher Antrag durch eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder des Ausschusses unterstützt wird, wird dieser Beschluss den Kirchen, die bereits Mitglieder des Ökumenischen Rates der Kirchen sind, mitgeteilt, und die Aufnahme gilt als vollzogen, wenn nicht innerhalb von sechs Monaten von mehr als einem Drittel der Mitgliedskirchen Einwände erhoben werden.
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III.
Funktionen und Ziele

Der Aufgabenbereich des Ökumenischen Rates der Kirchen erstreckt sich auf folgende Funktionen und Ziele:
  1. die Kirchen aufzurufen zu dem Ziel der sichtbaren Einheit im einen Glauben und der einen eucharistischen Gemeinschaft, die ihren Ausdruck im Gottesdienst und im gemeinsamen Leben in Christus findet, und auf diese Einheit zuzugehen, damit die Welt glaube;
  2. das gemeinsame Zeugnis der Kirchen an jedem Ort und überall zu erleichtern;
  3. die Kirchen in ihrer weltweiten missionarischen und evangelistischen Aufgabe zu unterstützen;
  4. der gemeinsamen Aufgabe der Kirchen im Dienst am Menschen in Not Ausdruck zu verleihen, die die Menschen trennenden Schranken niederzureißen und das Zusammenleben der menschlichen Familie in Gerechtigkeit und Frieden zu fördern;
  5. zur Erneuerung der Kirche in Einheit, Gottesdienst, Mission und Dienst zu ermutigen;
  6. Beziehungen zu nationalen Kirchenkonferenzen, konfessionellen Weltbünden und anderen ökumenischen Organisationen aufzunehmen und aufrechtzuerhalten;
  7. die Arbeit der internationalen Bewegungen für Glauben und Kirchenverfassung und für Praktisches Christentum sowie des Internationalen Missionsrates und des Weltrates für Christliche Erziehung weiterzuführen.
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IV.
Vollmacht

1 Der Ökumenische Rat der Kirchen hat beratende Funktion und bietet die Möglichkeit zum gemeinsamen Vorgehen in Fragen von allgemeinem Interesse.
2 Er kann im Auftrag von Mitgliedskirchen nur in solchen Angelegenheiten handeln, die ihm eine oder mehrere Kirchen übertragen, und nur im Namen dieser Kirchen.
3 Der Ökumenische Rat besitzt keine gesetzgebende Gewalt über die Kirchen. 4 Er handelt auch in keiner Weise in ihrem Namen, außer in den erwähnten oder von den Mitgliedskirchen künftig festgelegten Fällen.
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V.
Organisation

Der Ökumenische Rat übt seine Funktionen aus durch: die Vollversammlung, den Zentralausschuss, den Exekutivausschuss und sonstige nachgeordnete Organe, die nach Bedarf eingesetzt werden.
  1. Vollversammlung
    1. Die Vollversammlung ist das oberste legislative Organ, das an der Spitze des Ökumenischen Rates steht und in der Regel alle sieben Jahre zusammentritt.
    2. 1 Die Vollversammlung besteht aus den offiziellen Vertretern und Vertreterinnen1# der Mitgliedskirchen, den Delegierten. 2 Sie werden von den Mitgliedskirchen gewählt.
    3. Die Vollversammlung hat folgende Aufgaben:
      1. Wahl des Präsidenten oder der Präsidenten des Ökumenischen Rates;
      2. Wahl von höchstens 145 Mitgliedern des Zentralausschusses aus der Mitte der Delegierten, die die Mitgliedskirchen in die Vollversammlung entsandt haben;
      3. Wahl von höchstens fünf Zentralausschussmitgliedern aus der Mitte der von den angeschlossenen Mitgliedskirchen in die Vollversammlung entsandten Vertreter;
      4. Festlegung der Richtlinien des Ökumenischen Rates und Überprüfung der Programme zur Ausführung der vorher angenommenen Richtlinien;
      5. Delegierung bestimmter Aufgaben an den Zentralausschuss, ausgenommen Änderungen dieser Verfassung und der Sitzverteilung innerhalb des Zentralausschusses, die verfassungsgemäß ausschließlich der Vollversammlung vorbehalten sind.
  2. Zentralausschuss
    1. 1 Der Zentralausschuss ist verantwortlich für die Ausführung der von der Vollversammlung angenommenen Richtlinien; er nimmt die Aufgaben der Vollversammlung wahr, die diese ihm für die Zeit zwischen den Tagungen überträgt. 2 Ausgenommen hiervon sind die Befugnisse, diese Verfassung zu ändern, Sitze im Zentralausschuss zu verteilen oder die Sitzverteilung zu ändern.
    2. Der Zentralausschuss besteht aus dem Präsidenten bzw. den Präsidenten des Ökumenischen Rates und höchstens 150 Mitgliedern.
      1. 1 Bis zu 145 Mitglieder werden von der Vollversammlung aus der Mitte der von den Mitgliedskirchen in die Vollversammlung entsandten Delegierten gewählt. 2 Die Vollversammlung setzt die Zahl dieser Zentralausschussmitglieder für die Mitgliedskirchen fest unter angemessener Berücksichtigung der Größe der im Rat vertretenen Kirchen und Konfessionen, der Zahl der Kirchen jeder Konfession, die Mitglied des Rates sind, einer ausgewogenen geografischen und kulturellen Vertretung sowie einer angemessenen Vertretung der Hauptanliegen des Rates.
      2. Bis zu fünf Mitglieder werden von der Vollversammlung aus der Mitte der von den angeschlossenen Mitgliedskirchen in die Vollversammlung entsandten Vertreter gewählt.
      3. Wird im Zentralausschuss zwischen den Tagungen der Vollversammlung ein Sitz frei, so besetzt der Zentralausschuss selbst diesen Sitz im Einvernehmen mit der Kirche, der das ehemalige Mitglied angehörte.
    3. 1 Zusätzlich zu den oben unter a) aufgeführten allgemeinen Kompetenzen besitzt der Zentralausschuss folgende Befugnisse:
      1. Wahl des Vorsitzenden und des oder der stellvertretenden Vorsitzenden aus der Mitte der Mitglieder des Zentralausschusses;
      2. Wahl des Exekutivausschusses aus der Mitte der Zentralausschussmitglieder;
      3. Wahl der Ausschüsse und Kuratorien und Bestätigung der Wahl oder Ernennung von Arbeitsgruppen und Kommissionen;
      4. Bestätigung von Programmen und Festlegung von Prioritäten innerhalb der von der Vollversammlung angenommenen Richtlinien sowie Prüfung und Überwachung ihrer Ausführung;
      5. Genehmigung des Haushalts des Ökumenischen Rates und Sicherstellung seiner Finanzierung;
      6. Wahl des Generalsekretärs oder Ernennung der Mitarbeiter des Ökumenischen Rates bzw. Vorsorge für deren Wahl oder Ernennung;
      7. Planung der Tagungen der Vollversammlung, Vorbereitung zur Erledigung ihrer Geschäfte, der Durchführung von Gottesdiensten und Studien sowie die Verwirklichung des gemeinsamen christlichen Engagements. 2 Der Zentralausschuss bestimmt die Anzahl der Vollversammlungsdelegierten und verteilt die Sitze auf die Mitgliedskirchen unter angemessener Berücksichtigung der Größe der im Rat vertretenen Kirchen und Konfessionen, der Zahl der Kirchen jeder Konfession, die Mitglied des Rates sind, einer ausgewogenen geogra­fischen und kulturellen Vertretung und der angestrebten Zusammensetzung aus leitenden Amtsträgern, Gemeindepfarrern und Laien – aus Männern, Frauen und jungen Menschen – sowie der Teilnahme von Personen, deren Fachwissen und Erfahrung erforderlich sind;
      8. Delegierung bestimmter Aufgaben an den Exekutivausschuss oder andere Organe oder Personen.
  3. Satzung des Ökumenischen Rates
    Die Vollversammlung oder der Zentralausschuss können Satzungsartikel für die Führung der Geschäfte des Ökumenischen Rates annehmen und sie ändern, sofern sie mit dieser Verfassung nicht unvereinbar sind.
  4. Satzungen der Ausschüsse
    Die Vollversammlung oder der Zentralausschuss können Satzungen für die Arbeit der Ausschüsse, Kuratorien, Arbeitsgruppen und Kommissionen annehmen und Änderungen dieser Satzungen vornehmen, sofern sie mit dieser Verfassung nicht unvereinbar sind.
  5. Beschlussfähigkeit
    Die Vollversammlung und der Zentralausschuss sind für die Erledigung ihrer Geschäfte beschlussfähig, wenn mindestens die Hälfte ihrer Mitglieder anwesend ist.
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VI.
Andere ökumenische christliche Organisationen

  1. Konfessionelle Weltbünde und ökumenische Organisationen, die der Zentralausschuss dafür vorschlägt, können eingeladen werden, nicht stimmberechtigte Vertreter zu den Tagungen der Vollversammlung und des Zentralausschusses in einer von Letzterem zu bestimmenden Anzahl zu entsenden.
  2. Nationale Räte von Kirchen und regionalen Kirchenkonferenzen sowie andere Christenräte oder Missionsräte, die der Zentralausschuss dafür vorschlägt, können aufgefordert werden, nicht stimmberechtigte Vertreter zu den Tagungen der Vollversammlung und des Zentralausschusses in einer von Letzterem zu bestimmenden Anzahl zu entsenden.
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VII.
Verfassungsänderungen

1 Die Verfassung kann mit Zweidrittelmehrheit der anwesenden stimmberechtigten Delegierten der Vollversammlung geändert werden. 2 Voraussetzung hierfür ist, dass der Zentralausschuss die Änderungsvorschläge vorher überprüft und mindestens sechs Monate vor der Tagung der Vollversammlung den Mitgliedskirchen zugestellt hat. 3 Sowohl der Zentralausschuss selbst als auch die Mitgliedskirchen sind berechtigt, derartige Verfassungsänderungen vorzuschlagen.

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1 ↑ Im Interesse der Lesbarkeit verwenden wir im Folgenden nur die männliche Form der verschiedenen Ämter, wobei als selbstverständlich vorausgesetzt wird, dass jede dieser Funktionen von einer Frau ausgeübt werden kann (Anm. d. Übers.).