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Geltungszeitraum von: 10.11.1990

Geltungszeitraum bis: 30.06.2012

Ordnung über die schulpraktische Ausbildung im Anschluss an die Erste Staatsprüfung für Lehramtsanwärter im Fach Evangelische Religionslehre (AusbO/Ev. RL)

In der Fassung vom 31. Oktober 1990

(KABl.-EKiBB S. 117)

Die Kirchenleitung hat aufgrund des § 10 Abs. 1 des Kirchengesetzes über den Evangelischen Religionsunterricht in der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (Berlin West) vom 17. November 1979 (KABl.-EKiBB S. 140) die nachstehende Ordnung erlassen:
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§ 1
Ziel der schulpraktischen Ausbildung

1 Die schulpraktische Ausbildung der Lehramtsanwärter für die Ämter des Lehrers – mit fachwissenschaftlicher Ausbildung in zwei Fächern – und des Studienrats im Fach Evangelische Religionslehre wird nach Maßgabe des § 16 a Abs. 2 des Lehrerbildungsgesetzes in der Fassung vom 13. Februar 1985 (GVBl. S. 434, 948), zuletzt geändert durch Gesetz vom 15. Dezember 1988 (GVBl. S. 2322) von der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (Berlin West) durchgeführt. 2 Sie nimmt damit auch teil an dem Auftrag, die Lehramtsanwärter mit den Anforderungen der Schul- und Unterrichtspraxis vertraut zu machen und sie zu selbstständigem Handeln in Schule, Unterricht und Erziehung zu befähigen.
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§ 2
Gliederung der Ausbildung

Die schulpraktische Ausbildung der Lehramtsanwärter mit dem Fach Evangelische Religionslehre umfasst
  1. die Teilnahme an den Veranstaltungen eines für das jeweilige Amt zuständigen Fachseminars und
  2. die Durchführung von Ausbildungsunterricht.
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§ 3
Einweisung in die schulpraktische Ausbildung

1 Die Lehramtsanwärter mit dem Fach Evangelische Religionslehre werden gleichzeitig mit ihrer Einweisung in ein Schulpraktisches Seminar dem für sie zuständigen Fachseminar (§ 4) und einem Amt für Evangelischen Religionsunterricht zugewiesen.
2 Nach Möglichkeit soll der Ausbildungsunterricht (§ 6) im Fach Evangelische Religionslehre an derselben Schule durchgeführt werden, an der der Lehramtsanwärter seinen Ausbildungsunterricht im anderen Fach erteilt.
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§ 4
Fachseminare

( 1 ) 1 In den Fachseminaren Evangelische Religionslehre sollen die Lehramtsanwärter mit der Praxis des Evangelischen Religionsunterrichts vertraut gemacht und zur selbstständigen Planung, Durchführung und Auswertung von Religionsunterricht befähigt werden. 2 Dies geschieht in der Regel durch Planung und Erprobung von Einzelstunden und Unterrichtseinheiten sowie durch Unterrichtsbeobachtung mit anschließender didaktischer Analyse.
( 2 ) Die Ausbildung in den Fachseminaren umfasst insbesondere
  1. Einführung in die Didaktik des Religionsunterrichts, Vermittlung von Beobachtungskategorien und Beurteilungskriterien und Methoden der Erfolgskontrolle;
  2. Erörterung der Aufgaben des Religionsunterrichts in Gegenwart und Vergangenheit unter Berücksichtigung der Situation der Schüler und des Auftrages der Kirche;
  3. Einführung in das Selbstverständnis eines kirchlich verantworteten Religionsunterrichts als Beitrag im Rahmen des Erziehungsauftrages der Schule;
  4. Analyse der Struktur des Religionsunterrichts und seiner unterschiedlichen didaktischen Ansätze;
  5. Probleme der Methodik des Religionsunterrichts, seiner unterschiedlichen Arbeits- und Sozialformen sowie der Verwendung und Analyse von Medien;
  6. Analyse fachdidaktischer Literatur;
  7. Einführung in die Stellung des Religionsunterrichts in der Berliner Schule und seine gesetzlichen Grundlagen.
( 3 ) Die Zahl der Mitglieder eines Fachseminars soll möglichst zehn nicht überschreiten.
( 4 ) 1 Die Sitzungen der Fachseminare finden einmal wöchentlich statt. 2 Sie dauern in der Regel für Lehramtsanwärter drei Stunden, für Studienreferendare vier Stunden.
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§ 5
Aufgaben des Fachseminarleiters

Der Fachseminarleiter hat folgende Aufgaben:
  1. Leitung der Sitzungen des Fachseminars, Planung und Durchführung der schulpraktischen Ausbildungsaufgaben (§ 4);
  2. Festsetzung des Umfangs der verschiedenen Formen des Ausbildungsunterrichts im Religionsunterricht in Absprache mit dem zuständigen Kreiskatecheten;
  3. Besuch der Lehramtsanwärter im Religionsunterricht und anschließende Beratung;
  4. Beurteilung der Lehramtsanwärter;
  5. Teilnahme an Dienstbesprechungen der Schulpraktischen Seminare aufgrund entsprechender Einladungen.
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§ 6
Ausbildungsunterricht

( 1 ) Der Ausbildungsunterricht beträgt
für Lehreranwärter sechs Wochenstunden,
für Studienreferendare fünf Wochenstunden.
( 2 ) Dem Lehramtsanwärter wird nach Möglichkeit durch den Kreiskatecheten, in dessen Kirchenkreis der Ausbildungsunterricht durchgeführt wird, eine im Religionsunterricht erfahrene Lehrkraft benannt, die ihn im Einvernehmen mit dem Fachseminarleiter in Fragen der Unterrichtsplanung und –vorbereitung sowie didaktischer Entscheidungen und Auswertung anleitet.
( 3 ) Im Ausbildungsunterricht sollen sich
Hospitationen,
Unterricht unter Anleitung
und selbstständiger Unterricht
sinnvoll ergänzen.
( 4 ) 1 Die Aufteilung des Ausbildungsunterrichts richtet sich nach dem Ausbildungsstand des Lehramtsanwärters. 2 Vom Beginn des Schuljahres oder Schulhalbjahres nach Eintritt des Lehramtsanwärters in die schulpraktische Ausbildung an soll selbstständiger Unterricht erteilt werden, und zwar
  1. von Lehreranwärtern im Umfang von mindestens zwei und höchstens fünf Wochenstunden,
  2. von Studienreferendaren im Umfang von mindestens zwei und höchstens vier Wochenstunden.
3 Die Beauftragung mit selbstständigem Unterricht erfolgt durch den Kreiskatecheten in Absprache mit dem zuständigen Fachseminarleiter.
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§ 7
Dauer der schulpraktischen Ausbildung

( 1 ) 1 Die schulpraktische Ausbildung dauert grundsätzlich vierundzwanzig Monate. 2 Sie beginnt mit der Zuweisung in das Fachseminar.
( 2 ) Die schulpraktische Ausbildung endet mit Ablauf des Tages, an dem der Lehramtsanwärter die Zweite Kirchliche Prüfung abgelegt oder die Wiederholungsprüfung nicht bestanden hat, oder mit der Entlassung aus der schulpraktischen Ausbildung.
( 3 ) 1 Auf die schulpraktische Ausbildung können nach Ablegung der Ersten Staatsprüfung zurückgelegte Zeiten einer schulpraktischen Ausbildung in gleichwertigen Seminaren und einer hauptberuflichen Unterrichtstätigkeit an Schulen bis zur Dauer von insgesamt höchstens neun Monaten angerechnet werden. 2 Es sind mindestens fünfzehn Monate schulpraktischer Ausbildung abzuleisten.
( 4 ) Die schulpraktische Ausbildung kann verlängert werden, wenn
a) die Abwesenheitszeiten insgesamt zehn Wochen übersteigen,
b) eine Wiederholungsprüfung abgelegt werden darf.
( 5 ) Die Lehramtsanwärter sind verpflichtet, an den Veranstaltungen des Fachseminars bis drei Wochen vor der unterrichtspraktischen Prüfung und im Falle des Nichtbestehens der Prüfung erneut bis drei Wochen vor der Wiederholungsprüfung teilzunehmen.
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§ 8
Beurteilungen

( 1 ) 1 Vier bis zwei Wochen vor dem Ende des zweiten Ausbildungshalbjahres äußert sich der Kreiskatechet, in dessen Bereich der Lehramtsanwärter seinen Ausbildungsunterricht erteilt, über Fähigkeiten, Kenntnisse, Leistungen und Eignung des Lehramtsanwärters nach dem Ausbildungsstand. 2 Die anleitende Lehrkraft soll dabei gehört werden. 3 Die Beurteilung schließt mit einer Note. 4 Sie ist dem Lehramtsanwärter und danach dem Fachseminarleiter zur Kenntnis zu bringen.
( 2 ) 1 Der Fachseminarleiter erstellt unverzüglich unter Berücksichtigung der Beurteilung nach Absatz 1 eine Beurteilung über das Ergebnis der Ausbildung bis zu diesem Zeitpunkt. 2 Sie schließt mit einer Note. 3 Die Beurteilung ist dem Lehramtsanwärter, danach dem Leiter des Schulpraktischen Seminars und dem Konsistorium zur Kenntnis zu bringen.
( 3 ) 1 Lehramtsanwärter, die die Zweite Kirchliche Prüfung wiederholen dürfen, werden in der Regel nach der Hälfte der Zeit, um die die schulpraktische Ausbildung verlängert worden ist, vom Fachseminarleiter beurteilt. 2 Der Fachseminarleiter äußert sich über Fähigkeiten, Kenntnisse, Leistungen und Eignung des Lehramtsanwärters nach dem Ausbildungsstand. 3 Der Kreiskatechet soll dabei gehört werden. 4 Die Beurteilung des Fachseminarleiters schließt mit einer Note. 5 Die Beurteilung ist dem Lehramtsanwärter, dem Leiter des Schulpraktischen Seminars und dem Konsistorium zur Kenntnis zu bringen.
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§ 9
Notenskala

Für die Beurteilung gemäß § 8 sind folgende Noten zu verwenden:
sehr gut
( 1 ) =
eine Leistung, die den Anforderungen in besonderem Maße entspricht;
gut
( 2 ) =
eine Leistung, die den Anforderungen voll entspricht;
befriedigend
( 3 ) =
eine Leistung, die im Allgemeinen den Anforderungen entspricht;
ausreichend
( 4 ) =
eine Leistung, die zwar Mängel aufweist, aber im Ganzen den Anforderungen noch entspricht;
mangelhaft
( 5 ) =
eine Leistung, die den Anforderungen nicht entspricht, jedoch erkennen lässt, dass die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind und die Mängel in absehbarer Zeit behoben werden könnten;
ungenügend
( 6 ) =
eine Leistung, die den Anforderungen nicht entspricht und bei der selbst die Grundkenntnisse so lückenhaft sind, dass die Mängel in absehbarer Zeit nicht behoben werden können.
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§ 10
Sonderregelung für die Ausbildung an Evangelischen Schulen

Für Lehramtsanwärter, die die schulpraktische Ausbildung an einer Evangelischen Schule absolvieren, gilt
a) § 3 mit der Maßgabe, dass die Zuweisung an ein Amt für Evangelischen Religionsunterricht entfällt;
b) § 5 Nr. 2, § 6 Abs. 2 und 4, § 8 Abs. 1 und 3 mit der Maßgabe, dass der Schulleiter die Aufgaben des Kreiskatecheten übernimmt.
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§ 11
Übergangsregelung

1 Für Lehramtsanwärter, die sich am 1. Dezember 1988 in der schulpraktischen Ausbildung befunden haben, gilt die Ordnung über die schulpraktische Ausbildung im Anschluss an die Erste Staatsprüfung für Lehramtsanwärter mit dem Fach Evangelische Religionslehre vom 10. März 1981 (KABl.-EKiBB S. 44). 2 Die Anwendung des § 10 dieser Ordnung bleibt davon unberührt.
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§ 12 (Inkrafttreten)