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Kirchengesetz über die kirchliche Arbeit
mit Sorben und Wenden in der Evangelischen Kirche
Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
(Kirchliches Sorben-Wenden-Gesetz)

Vom 23. April 2005

(KABl. S. 77)

Die Landessynode hat auf der Grundlage von Artikel 38 Abs. 2 der Grundordnung vom 21./24. November 2003 (KABl.-EKiBB S. 159, ABl.-EKsOL 2003/3) das folgende Kirchengesetz beschlossen:
Das Sorbische und Wendische in den Kirchengemeinden im Südosten unserer Landeskirche gilt es zu schützen, zu bewahren und auszugestalten.
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§ 1
Schwerpunkte sorbischer und wendischer Gemeindearbeit

Kirchengemeinden mit sorbischen oder wendischen Gemeindegliedern sollen bei folgenden Bereichen des kirchlichen Lebens besonders gefördert werden:
  1. Gestaltung von Gottesdiensten in sorbischer und wendischer Sprache;
  2. Durchführung von Amtshandlungen mit sorbischen und wendischen Traditionen im Rahmen der geltenden Agende;
  3. seelsorgliche Begleitung von Gemeindegliedern in sorbischer und wendischer Sprache;
  4. spezielle Förderung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im sorbischen und wendischen Sprachraum;
  5. Bereicherung des Gemeindelebens durch sorbische Kirchentage und Spreewaldkirchentage;
  6. Pflege und Gestaltung der ökumenischen Beziehungen zu den polnischen und tschechischen Partnerkirchen unter Nutzung der gegebenen sprachlichen Verwandtschaft;
  7. Förderung der sprachlichen Ausbildung des theologischen Nachwuchses in den Regionen mit sorbischer und wendischer Sprachkultur.
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§ 2
Beauftragte oder Beauftragter für die Sorben und Wenden, Beirat

( 1 ) 1 Die Kirchenleitung beruft auf Vorschlag des Beirats für sorbische und wendische Gemeindearbeit eine neben- oder ehrenamtliche Beauftragte oder einen neben- oder ehrenamtlichen Beauftragten für die Sorben und Wenden für die Förderung der in § 1 genannten Ziele. 2 Die oder der Beauftragte muss ordiniert sein.
( 2 ) 1 Die Kirchenleitung beruft für die Dauer ihrer Amtszeit einen Beirat für sorbische und wendische Gemeindearbeit, der die Beauftragte oder den Beauftragten unterstützt. 2 Die Mitglieder bleiben bis zur Berufung ihrer Nachfolgerinnen und Nachfolger im Amt. 3 Der Beirat kann den kirchlichen Dienststellen Empfehlungen zur Verwirklichung der in § 1 genannten Ziele geben. 4 Die kirchlichen Dienststellen haben Empfehlungen sowie Beanstandungen nachzugehen.
( 3 ) Die Kirchenleitung bestimmt eine Generalsuperintendentur als Geschäftsstelle des Beirats.
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§ 3
Vertretung in den Synoden

1 Der Ältestenrat der Landessynode soll darauf achten, dass Gemeindeglieder sorbischer oder wendischer Sprache in der Landessynode vertreten sind. 2 Entsprechendes gilt für die Kreissynoden in den Kirchenkreisen, in deren Kirchengemeinden sorbische oder wendische Gemeindeglieder sind. 3 In diesen Kirchenkreisen soll die Satzung nach Artikel 43 Abs. 4 der Grundordnung Regelungen treffen, die eine Vertretung gewährleisten.
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§ 4
Finanzen

Die Landeskirche und die Kirchenkreise, in deren Kirchengemeinden sorbische und wendische Gemeindeglieder sind, statten die sorbische und wendische Arbeit mit Finanzmitteln im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten aus.
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§ 5
Inkrafttreten, Außerkrafttreten

1 Dieses Kirchengesetz tritt am 1. Mai 2005 in Kraft. 2 Zugleich tritt das Kirchengesetz über den Sorbischen Evangelischen Gemeindedienst der Evangelischen Kirche von Schlesien vom 15. November 1951 außer Kraft.